Kennst du das?

Du bist nicht einfach traurig.

Du bist am Boden.

Du bist nicht einfach wütend.

Du brennst.

Du magst jemanden nicht nur.

 

Du fühlst ihn bis in die Knochen.

Und wenn du nichts fühlst?

Dann ist da eine Leere, die fast weh tut.

Zwischenräume scheinen für uns nicht gemacht zu sein.

„Normal“ fühlt sich an wie ein Bahnhof, an dem wir nie aussteigen.

 

Mit ADHS kommt Emotion selten leise.

Sie kommt nicht als Gedanke.

Sie kommt als Welle.

Und bevor wir merken, dass sie da ist, stehen wir schon knietief im Wasser.

Das liegt nicht daran, dass wir dramatisch sind und auch nicht daran, dass wir uns nicht zusammenreißen wollen.

 

ADHS betrifft nicht nur Aufmerksamkeit.

Es betrifft die Emotionsregulation.

Studien zeigen, dass bei ADHS die Netzwerke zwischen präfrontalem Cortex (unserer „Bremse“) und dem limbischen System (unserem Emotionszentrum) anders arbeiten.

Reize werden schneller intensiv, aber langsamer reguliert.

Das heißt nicht, dass wir schwächer sind.

Es heißt nur:

Unser Nervensystem reagiert direkter.

Zu sensibel.

Zu impulsiv.

Zu intensiv.

Oder das Gegenteil:

Zu distanziert.

Zu kalt.

Zu wenig belastbar.

Aber vielleicht ist es nicht „zu viel“ oder „zu wenig“.

Vielleicht ist es ungefiltert.

Wenn andere einen Dimmer haben, haben wir oft nur Licht an oder Licht aus.

Das ist anstrengend.

Für uns.

Und manchmal auch für andere.

 

Doch in dieser Intensität liegt auch Kraft.

Wir lieben nicht halb.

Wir kämpfen nicht halb.

Wir begeistern uns nicht halb.

 

Das Problem ist nicht das Gefühl.

Es ist, dass wir nie gelernt haben, es sicher zu halten.

Vielleicht ist „normal“ gar nicht das Ziel.

Vielleicht ist das Ziel, unsere Intensität zu verstehen.

 

Nicht weniger fühlen.

Sondern früher merken.

Nicht leiser sein.

Sondern stabiler stehen.

 

Zwischen Schwarz und Weiß gibt es Grautöne.

Sie fühlen sich für uns vielleicht fremd an.

Aber sie sind da.

Und vielleicht beginnt Heilung genau dort, nicht im Weniger, sondern im Bewusster.

Danke, dass du dir Zeit nimmst.

Ich wünsche dir einen schönen, ruhigen Samstag. 

🌻Liebe Grüße, Jessy