ADHS nicht als Störung?
Darf man das überhaupt so sagen?
Für mich: ja.
Und genau darum schreibe ich diesen Blog.
Ich nenne es bewusst Aufmerksamkeitsdefizit.
Nicht, weil ich Probleme kleinreden will. Sondern weil ich gemerkt habe, wie viel das Wort Störung mit mir gemacht hat. Es hat sich angefühlt, als wäre ich falsch. Als müsste ich repariert werden.
Und ganz ehrlich?

So fühlt sich mein Leben nicht an.
Es fühlt sich oft anstrengend an.
Manchmal auch frustrierend,
weil Dinge, die für andere selbstverständlich sind,
für mich unglaublich viel Kraft kosten.
Aber kaputt?

Nein.
ADHS zeigt sich bei mir im Alltag auf ganz eigene Weise.
Ich verliere den Fokus, obwohl ich mich bemühe.
Ich denke viel, schnell, quer. Ich spüre Dinge intensiv.
Ich bin oft müde vom Funktionieren – und gleichzeitig voller Ideen.
Vielleicht ist das eine der schwersten Erkenntnisse überhaupt – und etwas, das man als Betroffene*r möglichst früh wissen sollte:

ADHS ist nichts, was man einfach heilen kann.
Nicht, weil du dich nicht genug anstrengst.
Nicht, weil du die falsche Therapie gewählt hast.
Und nicht, weil du „noch nicht das Richtige gefunden“ hast.
ADHS ist keine Krankheit, die irgendwann verschwindet
Keine Phase.

Kein Defekt, den man reparieren müsste.
Das zu begreifen tut am Anfang weh.
Weil viele von uns lange hoffen:
Wenn ich endlich die richtige Hilfe bekomme, dann bin ich irgendwann normal. Aber genau dieser Gedanke macht so viel Druck.

So viel Selbstvorwurf.
So viel Erschöpfung.
Für mich war es ein Wendepunkt zu verstehen:
Ich muss nicht geheilt werden – ich muss lernen, mit mir zu leben.

Mit meinem Kopf.
Mit meiner Art zu denken. Mit meinen Grenzen.
Medikamente?
Bei mir wirken sie nicht so, wie sie es sollten.
Oder nicht ausreichend.
Und das war ein harter Punkt.
Weil man irgendwann merkt:
Okay, das ist jetzt nicht die eine Lösung, auf die alle hoffen.
Also musste ich anfangen, meine eigenen Wege zu finden.

Nicht perfekt.
Nicht lehrbuchmäßig.
Sondern passend zu mir.
Manche davon funktionieren gut. Andere nur eine Zeit lang.
Und manches geht auch einfach schief.
Aber genau darüber will ich hier schreiben.
Nicht als Expertin.
Nicht von oben herab.

Sondern als jemand, der mittendrin steckt.
Dieser Blog ist für dich, wenn du…
ADHS hast und dich oft missverstanden fühlst
auf Hilfe wartest, die einfach nicht kommt
keine Medikamente nimmst oder nehmen kannst
oder spürst, dass du nicht in die üblichen Schablonen passt

Vielleicht suchst du keine perfekten Lösungen.
Vielleicht willst du einfach lesen:
Ich bin nicht allein damit.
Hier wird es nicht medizinisch.
Hier wird es menschlich.
Ehrlich.
Laut gedacht.
Manchmal ungeordnet.
Aber echt.
Wenn du dich hier wiederfindest:
Bleib.
Du musst hier nichts leisten, nichts beweisen, nichts „richtig machen“.
Schön, dass du bis hierhin gelesen hast.
Wenn du dich in meinen Worten ein Stück weit wiederfindest, hat dieser Blog seinen Zweck schon erfüllt.
Danke für deine Zeit. Schön, dass du da bist.
Alles Liebe, deine Jessy
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