Manchmal fühlt es sich an, als würden wir in einer Lautstärke lieben, für die diese Welt nicht gebaut ist.

Während andere ihre Gefühle dimmen können, brennt bei uns sofort das ganze Haus lichterloh, im Guten wie im Schlechten.

 

In unseren Beziehungen geht es nicht nur um die Socke, die seit drei Tagen im Flur liegt, oder um den vergessenen Jahrestag.

Es geht um das schlechte Gewissen, das uns dabei auffrisst.

Um die leise, nagende Angst, dass der andere irgendwann müde wird.

 

Dass unsere Art zu fühlen zu anstrengend sein könnte.

Das Labyrinth im Kopf, in unserem Kopf gibt es keinen Türsteher.

Wenn du mit mir redest, höre ich nicht nur deine Worte.

 

Ich höre das Summen des Kühlschranks, sehe die Fliege am Fenster und spüre gleichzeitig diesen einen Satz von gestern, der mir noch immer im Magen liegt.

Wenn ich den Faden verliere, habe ich dich nicht vergessen.

Ich bin nur gerade unter der Last all dieser ungefilterten Eindrücke begraben.

Das wirkt nach außen oft wie Desinteresse.

 

Dabei ist es meist das Gegenteil:

zu viel Nähe, zu viel Wahrnehmung, zu viel Bedeutung auf einmal.

 

Die Wunde, die nicht heilt:

die Angst vor dem „Zu viel“ und dann ist da dieser Moment.

 

Ein kurzer Tonfall.

Eine Nachricht ohne Emoji.

Ein Blick, der ins Leere geht.

Für andere ist das eine Kleinigkeit.

Für uns ist es eine Sirene.

Das Nervensystem schaltet auf Alarm, der Puls rast.

 

Wir nennen es Sensibilität, aber eigentlich ist es die Narbe eines Herzens, das zu oft gehört hat:

„Warum bist du so kompliziert?“

„Reiß dich doch mal zusammen.“

„Du übertreibst.“

 

Wir sind keine Dauerbaustelle, die man reparieren muss, damit sie endlich „funktioniert“.

Wir sind Menschen, die alles intensiver spüren, den Schmerz, ja.

 

Aber eben auch die Liebe.

Die Nähe. Die Verbundenheit.

 

Diese Intensität ist kein Fehler im System.

Sie ist unser System.

Und vielleicht brauchen wir keine dickere Haut.

 

Sondern Menschen, die bereit sind, unser Herz nicht als Schwäche zu sehen, sondern als das, was es ist:

offen, ehrlich und zutiefst echt.

Danke, dass du dir Zeit nimmst. Ich wünsche dir einen harmonischen Tag und einen kraftvollen Start in die neue Woche. Alles Liebe, Jessy

*Bild von Printrest