Ich dachte lange, ADHS muss laut sein.
Zappeln. Reinreden.
Nicht stillsitzen können.
So, wie es oft gezeigt und noch öfter erwartet wird.
Aber ADHS ist nicht immer sichtbar.
Manchmal ist es leise.
Und manchmal fühlt es sich genau deshalb besonders einsam an.
Ich habe erst spät verstanden, dass mein eigenes Erleben fachlich zu dem gehört, was als vorwiegend unaufmerksamer Typ beschrieben wird, in der Diagnostik oft ADHS-I (inattentiv) genannt.
Ein Typ, der leicht übersehen wird.
Nicht, weil nichts los ist, sondern weil das Chaos nicht auf dem Schreibtisch liegt, sondern im Kopf.
Mein Kopf fühlt sich an wie ein Browser mit fünfzig offenen Tabs.
Keiner ist wirklich geschlossen.
Und in jedem läuft ein anderes Lied.
Ich kann aufmerksam wirken und gleichzeitig innerlich ständig den Fokus verlieren.
Nach außen funktioniere ich.
Innen sortiere ich pausenlos Reize, Gedanken und Erwartungen.
Erst als ich begonnen habe, mich tiefer mit ADHS auseinanderzusetzen, wurde mir klar:
Dieses innere Erleben ist kein persönliches Versagen. Es folgt Mustern. In den Fachbereichen unterscheidet man grob drei Erscheinungsformen von ADHS. Nicht als starre Schubladen, sondern als Beschreibungen, die helfen können, sich selbst besser zu verstehen.

ADHS-C – der kombinierte Typ
Gedankenrasen und körperliche Unruhe treffen aufeinander.
Der Kopf ist laut, der Körper auch.
Viele beschreiben es als ein dauerhaftes
„Unter Strom stehen“, ohne echten Aus-Knopf.

ADHS-H – der hyperaktiv-impulsive Typ
Hier zeigt sich ADHS vor allem nach außen.
Bewegungsdrang, Impulsivität, schnelles Handeln.
Nicht aus Leichtsinn, sondern weil der innere Druck Entladung braucht.

ADHS-I – der vorwiegend unaufmerksame Typ
(mein Typ)
Wenig sichtbar, viel innerlich.
Tagträumen, Konzentrationsabbrüche, schnelle mentale Erschöpfung.
Oft fehlinterpretiert als Desinteresse, Faulheit oder mangelnde Disziplin.
Warum mir diese Unterscheidung wichtig ist?
Weil Selbstakzeptanz oft erst dann möglich wird, wenn wir aufhören, uns mit einem Bild zu vergleichen, das nie zu uns gepasst hat.
Unterschiedliche Köpfe brauchen unterschiedliche Strategien.
Nicht jeder Weg, ob therapeutisch, strukturell oder medizinisch, passt für jeden Menschen gleich.
Wenn du dich in der „leisen“ Variante wiedererkennst und lange dachtest, du seist einfach nur nicht belastbar genug:
Vielleicht bist du nicht falsch.
Vielleicht hast du dich nur an einem Maßstab gemessen, der nie deiner war.
Sprich es an.
Eine klare Einordnung kann unglaublich entlastend sein.
Nicht, um dich festzulegen.
Sondern um dich selbst ein Stück besser zu verstehen.
Ein letzter wichtiger Hinweis:
Diese Einordnung beschreibt ADHS aus sich selbst heraus.
Viele Menschen bewegen sich jedoch in einem weiteren neurodiversen Spektrum, etwa mit autistischen Anteilen, Hochsensibilität, Traumafolgen oder anderen Begleiterscheinungen.
Diese Überschneidungen können das Erleben vertiefen, verändern oder verstärken.
Sie lassen sich nicht immer klar trennen und müssen es auch nicht.
Dieser Text soll kein vollständiges Bild aller neurodiversen Erfahrungen sein.
Sondern ein Ausgangspunkt:
ADHS betrachtet aus einer Perspektive.
Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
Wie schön, dich wieder hier zu haben.🌻
Ich hoffe, deine Tage waren gut.
Danke für deine Zeit, lass uns den Start ins Wochenende genießen.🍵
🌹Alles Liebe, deine Jessy
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