Kennst du das?
Jemand sagt etwas ganz Sachliches, vielleicht sogar freundlich und in dir explodiert es.
Nicht laut. Sondern still. Ein einziger Satz reicht.
Und dein Inneres übersetzt ihn sofort:
• „Du bist falsch.“
• „Du reichst nicht.“
• „So wie du bist, bist du einfach zu viel.“
Plötzlich fühlt es sich an, als würde etwas in dir zerbrechen.
Willkommen bei dem, was viele von uns mit ADHS nur zu gut kennen:
Rejection Sensitive Dysphoria (RSD)
die extreme Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung.
Was ist RSD eigentlich?
RSD ist keine offizielle Diagnose im ICD oder DSM, aber für uns ist sie absolut real.
Der Begriff wurde von Dr. William Dodson geprägt.
Er beschreibt eine emotionale Reaktion, die weit über das „normale“ Maß hinausgeht.
Es ist eine Reaktion auf:
• Kritik (auch konstruktive!)
• Zurückweisung
• Wahrgenommene Ablehnung (wenn wir nur glauben, dass jemand enttäuscht ist)
Ein Blick in dein Maschinenraum:
Was passiert da neurobiologisch?
Bei ADHS arbeitet das Gehirn anders.
Es geht nicht nur um Konzentration; es geht massiv um Emotionsregulation.

In deinem Kopf passiert folgendes:
1. Das Alarmzentrum:
Deine Amygdala (unser innerer Wachhund) feuert viel schneller und intensiver.
2. Die Bremse:
Der präfrontale Cortex, der eigentlich sagen sollte:
„Hey, atme mal durch", das war nur Feedback,
ist bei ADHS weniger aktiv.
3. Das Dopamin-Loch:
Eine veränderte Dopaminregulation macht unser emotionales Fundament instabiler.
Das Ergebnis:
Kritik fühlt sich nicht einfach unangenehm an.
Sie fühlt sich körperlich schmerzhaft an.
Studien zeigen sogar, dass sozialer Ausschluss dieselben Hirnareale aktiviert wie physischer Schmerz.
Wenn du also das Gefühl hast, innerlich zusammenzubrechen, bildest du dir das nicht ein.
Dein Nervensystem wird buchstäblich überflutet.
Warum trifft es uns so tief?
Wenn man ein Leben lang Sätze hört wie „Reiß dich zusammen“ oder „Du bist zu empfindlich“, dann wird Kritik zur Bestätigung eines alten, schmerzhaften Narrativs: „Ich passe hier nicht rein.“ Jede kleine Rückmeldung wird dann zu einem Urteil über deine gesamte Existenz.
Wie lernt man, nicht sofort zu zerbrechen?
Nicht durch „Härte“ oder „dickeres Fell“.
Sondern durch Verständnis und neue Sicherheit.

1. Körper zuerst (Regulation vor Analyse):
RSD ist körperlich.
Bevor du versuchst, das Problem logisch zu lösen:
Atme. Spür deine Füße auf dem Boden.
Dein Nervensystem muss erst wissen, dass keine Lebensgefahr besteht.
2. Realität prüfen (Kognitive Selbstverteidigung):
Frag dich:
Was wurde wirklich gesagt?
Und was hat mein Kopf daraus gemacht?
Gibt es eine Interpretation, in der ich trotzdem „okay“ bin?
3. Die alten Wunden erkennen:
Oft reagierst du nicht auf den aktuellen Satz,
sondern auf 20 Jahre „nicht richtig sein“.
Wenn du das merkst, verliert der Moment seine giftige Macht.
4. Selbstmitgefühl statt Selbstangriff:
Statt dich zu fragen
„Warum bin ich so schwach?“,
versuch es mit:
„Okay, das hat gerade richtig wehgetan. Kein Wunder bei meiner Geschichte. Ich bin sicher.“
5. Innere Sicherheit aufbauen:
Je klarer deine eigenen Werte und Grenzen sind, desto weniger können die Meinungen anderer dein Fundament erschüttern.Das ist leise, stetige Arbeit an der Selbstliebe.
Und jetzt mal ganz ehrlich?
RSD ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist oft die Kehrseite deiner Stärken:
deiner hohen Sensibilität, deinem tiefen Wunsch nach Verbindung und deinem großen Herzen.
Das Problem ist nicht dein Herz.
Es ist nur so, dass dein Herz ohne Schutzschild geliefert wurde.
Aber Schutz kann man lernen. Langsam. Schritt für Schritt.
Wie schön, dich wieder hier zu haben. Ich hoffe, deine Tage waren gut.
Danke für deine Zeit – lass uns den Start ins Wochenende genießen.
💝Alles Liebe, deine Jessy
Erstelle deine eigene Website mit Webador