Kennst du dieses Gefühl?
Du entdeckst etwas Neues und es fühlt sich an wie Liebe auf den ersten Blick.
Dein Herz klopft schneller, dein Kopf sprudelt.
Du bestellst Material, schaust Videos, redest von nichts anderem mehr.
Und zwei Wochen später liegt es da. Unberührt.
Du schaust es an – und fühlst… nichts.
Oder schlimmer: Schuld.
Nicht nur „keine Lust“.
Sondern dieses leise:
Warum schaffe ich es nie, etwas durchzuziehen?
Willkommen in der Welt von „101 Hobbys“.
Begeisterung ist kein Charakterfehler
Menschen mit ADHS haben kein Motivationsproblem.
Wir haben ein Interessen-Nervensystem.
Unser Gehirn reagiert stark auf Neuheit, Begeisterung und emotionale Verbindung.
Das liegt unter anderem an unserer Dopaminregulation:
Wenn etwas neu ist, feuert das System.
Wird es Routine, fällt es ab.
Das bedeutet nicht, dass du unzuverlässig bist.
Es bedeutet, dass dein Gehirn auf Intensität reagiert.
Und Intensität ist nichts Schlechtes.
Sie ist nur nicht dauerhaft.
Warum wir alles ausprobieren (und wieder verlieren)

Vielleicht hattest du schon:
Häkeln.
Zeichnen.
Fitness.
Tagebuch führen.
Onlinekurse.
Sprachen lernen.
Das Gartenprojekt.
Businessidee Nummer 17.
Und jedes Mal dachtest du:
„Das ist es jetzt. DAS bleibt.“
Und jedes Mal war die Begeisterung echt.
Nicht gespielt.
Nicht übertrieben.
Echt.
Hier kommt die Wahrheit:
ADHS-Menschen suchen oft kein Hobby.
Sie suchen ein Gefühl.
Lebendigkeit.
Flow.
Sinn.
Vielleicht auch Zugehörigkeit.
Vielleicht auch das Gefühl, endlich gut genug zu sein.
Und wenn das Gefühl weg ist, fühlt sich auch das Hobby leer an.
Unsere Begeisterung ist echt.
Unsere Langeweile aber auch.
Und die Fallhöhe dazwischen ist brutal.

Der Perspektivwechsel (der vieles heilt)
Was, wenn 101 Hobbys kein Beweis für Unbeständigkeit sind,
sondern für Mut?
Für eine unbändige Neugier auf das Leben?
Für den Wunsch, sich selbst immer wieder neu zu entdecken?
Du bist kein Mensch, der nichts durchzieht.
Du bist ein Mensch, der viel erlebt.
Und vielleicht bist du nicht dafür gemacht, ein einziges Ding 30 Jahre lang zu tun.
Vielleicht bist du zyklisch.
Vielleicht bist du phasenweise.
Vielleicht bist du intensiv.
Und das ist keine Schwäche.

Ich sag dir das nicht als Therapeutin, sondern als jemand, die selbst schon viel Material in Kisten verstaut hat:
Hör auf, dir Vorwürfe zu machen.
Plane Projekt-Phasen statt „für immer“.
Sag dir: „Ich mache das jetzt vier Wochen.“
Nicht: „Ab jetzt mein Leben lang.“
Erlaube Rotation.
Vielleicht hast du nicht ein Hobby, sondern fünf, die sich abwechseln.
Vielleicht kehren sie sogar zurück.
Und ganz wichtig:
Achte auf das Bedürfnis dahinter.
Suchst du Ruhe?
Ausdruck?
Anerkennung?
Struktur?
Verbindung?
Manchmal braucht nicht dein Hobby ein Update, sondern dein inneres Bedürfnis Aufmerksamkeit. Dein Wert hängt nicht an deiner Konstanz. Manche Menschen bauen Häuser. Andere bauen Feuerwerke.
Beides hat seinen Wert.
Du bist vielleicht kein ruhiger, stetiger Fluss.
Du bist ein Meer mit Gezeiten.
Und das ist nicht falsch.
Es ist nur intensiver.
Wenn du gerade zwischen Hobby Nummer 38 und 39 stehst und dich fragst, warum du nie „normal“ sein kannst:
Du bist nicht kaputt.
Du bist reizempfänglich.
Und genau diese Vielfalt kann – wenn du lernst, liebevoll mit ihr umzugehen –
dein größter Schatz werden.
Ich hoffe, deine Woche war angenehm.
Willkommen zurück!
Lass uns entspannt in die kommenden Tage gehen.
🌹Liebe grüße deine Jessy
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