Bei ADHS sind vor allem das Arbeitsgedächtnis und die Reizfilterung gefordert. Informationen gehen bei uns nicht verloren, weil sie unwichtig sind – sondern weil zu viele Dinge gleichzeitig um unsere Aufmerksamkeit schreien. Unser Gehirn ist ständig in Bewegung; Gedanken springen, Reize drängen sich vor, und die eigentlich wichtige Alltagsinfo hat es schwer, sich gegen das bunte Chaos im Kopf durchzusetzen.

Das bedeutet ganz klar:

• ​Wir vergessen nicht, weil es uns egal ist.

• ​Wir vergessen, weil unser System überlastet ist.

​Wege, die uns wirklich entlasten

​Anstatt uns mit Selbstvorwürfen zu quälen, dürfen wir Strategien finden, die zu unserer Art zu denken passen.

Hier sind Ansätze, die mir im Alltag helfen:

1. Das Gehirn als Spielwiese, nicht als Festplatte

Unser Kopf ist ein Ort für Ideen, kein Lagerraum.

Alles, was wichtig ist, darf nach draußen:

Notizen-Apps, Sprachnachrichten oder Zettel an Orten, über die wir stolpern.

Mein Leitsatz:

Was ich nicht sehe, existiert für mein Gehirn oft nicht.

 

​2. Sichtbarkeit schlägt Struktur

Wir müssen nicht perfekt ordentlich sein.

Aber wir brauchen feste „Landezonen“.

Der Schlüssel gehört immer in dieselbe Schale, die Medikamente direkt dahin, wo wir sie brauchen.

Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, dass die Dinge dort sind, wo unsere Hand sie automatisch sucht.

 

​3. Wenn-Dann-Brücken bauen

Einzelne Aufgaben fallen in unserem Kopf oft hintenüber.

Verknüpfen wir sie mit Dingen, die wir sowieso tun, wird es leichter:

Statt:

„Ich muss die Mail schreiben.“

Besser:

„Sobald ich mir einen Kaffee mache, schreibe ich die Mail.“

 

​4. Zeit spürbar machen

Viele von uns vergessen nicht das Was, sondern das Wann.

Uns fehlt oft das Gefühl für das Verstreichen der Zeit.

Timer, Playlists als Zeitanker oder Wecker, die uns sanft erinnern, sind keine Krücken – sie sind unsere Navigationssysteme.

 

​5. Emotionen als Merkhilfe

Trockene Fakten langweilen unser Gehirn.

Wenn wir uns Dinge mit Humor, Farben oder einer Prise Eigenheiten merken, bleiben sie eher hängen.

Das Gehirn merkt sich, was sich besonders anfühlt.

 

​6. Offen kommunizieren

Vergesslichkeit wird leichter, wenn sie kein Tabu ist. Sätze wie:

„Erinnere mich bitte nochmal, das hilft mir riesig“ oder „Ich schreibe mir das kurz auf, damit ich es nicht vergesse“ sind keine Schwäche.

Das ist mutige Selbstfürsorge.

Wenn Struktur allein nicht reicht

Ein Gedanke hat mir persönlich besonders geholfen:

Wenn sich das Vergessen trotz aller Vorbereitung, Apps und Struktur nicht verbessert, dann ist das oft ein wichtiges Signal.

​Es ist ein Zeichen dafür, dass das, was wir da gerade versuchen zu bewältigen, vielleicht einfach nicht zu uns passt.

In solchen Momenten will das Vergessen „gehört“ werden.

Es ist ein Hinweis unseres Inneren, dass die Situation, die Aufgabe oder das Umfeld gerade nicht stimmig für uns ist.

Es geht dann nicht mehr um noch mehr Disziplin, sondern um die Frage:

Was will hier gerade nicht zu mir passen?

​Der liebevolle Blick auf uns selbst

​Scham und Selbstkritik sind echte Konzentrationskiller.

Vergessen bedeutet nicht, dass wir unzuverlässig sind.

Es bedeutet nur, dass unser Gehirn anders arbeitet.

​Nicht schlechter – nur anders.

​Trauen wir uns, freundlicher mit uns zu sein.

Unser Wert misst sich nicht an unserer To-do-Liste.

Zum Schluss:

Vielleicht erinnern wir uns nicht immer zuverlässig an den Wochentag – aber wir haben oft ein tiefes Gedächtnis für Gefühle, für Nuancen und für das Menschliche.

Unser Vergessen sagt nur eines:

Unser Gehirn trägt gerade verdammt viel.

​Und es ist völlig in Ordnung, sich dabei helfen zu lassen. 🤍

Danke für deine Zeit. Schön, dass du da bist.

Ich wünsche dir einen schönen, entspannten Tag.

Habe einen gesunden und kraftvollen Start in die neue Woche.

 

Alles Liebe, deine Jessy

*Bild von Printrest